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ERLAUBE MIR, FEINS MÄDCHEN

(aus „Deutsche Volkslieder“)

 

Erlaube mir, feins Mädchen,

in den Garten zu gehen,

dass ich dort mag schauen,

wie die Rosen so schön.

Erlaube sie zu brechen,

es ist die höchste Zeit;

ihre Schönheit, ihr Jugend

hat mir mein Herz erfreut.

 

O Mädchen, o Mädchen,

du einsames Kind,

wer hat den Gedanken

ins Herz dir gezinnt,

daß ich soll den garten,

die Rosen nicht sehn?

Du gefällst meinen Augen,

das muß ich gestehn.

 

 

DA UNTEN IM TALE

(aus „Deutsche Volkslieder“)

 

Da unten im Tale

läufts Wasser so trüb

Und i kann dirs nit sagen,

i hab di so lieb.

 

Sprichst allweil von Lieb,

sprichst allweil von Treu

und a bissele Falschheit

is au wohl dabei!

 

Und wenn i dirs zehnmal sag,

da i di lieb [und mag],

und du willst nit verstehen,

muß i halt weiter gehn.

 

Für die Zeit, wo du g’liebt mi hast,

dank i dir schön,

und i wünsch, dass dirs anderswo

besser mag gehn.

 

 

MARIA GING AUS WANDERN

(aus „Deutsche Volkslieder“)

 

Maria ging aus wandern,

so fern ins fremde Land,

so fern ins fremde Land,

bis sie Gott den Herren fand.

 

Sie hat ihn schon gefunden,

wohl vor des Herodes Haus,

wohl vor des Herodes Haus,

er sah so betrülich aus.

 

Das Kreuz, das mußt er tragen

Nach Jerusalem wohl vor die Stadt,

Nach Jerusalem wohl vor die Stadt,

wo er gemartet ward.

 

Was trug er auf sein’m Haupte?

Eine scharfe Dornenkron,

Eine scharfe Dornenkron,

das Kreuz das trägt er schon.

 

Daran soll man bedenken,

ein Jeder jung or alt,

ein Jeder jung or alt,

daß das Himmelsreich leid’t Gewalt!

 

 

 

SCHWERSTERLEIN

(aus „Deutsche Volkslieder“)

 

Schwesterlein, Schwesterlein,

wann gehn wir nach Haus?

„Morgen wenn die Hahnen krähn,

wolln wir nach Hause gehn,

Brüderlein, dann gehn wir nach haus.“

 

Schwesterlein, Schwesterlein,

wann gehn wir nach Haus?

„Morgen, wenn der Tag anbricht,

eh end’t die Freude nicht,

Brüderlein, der fröliche Braus“.

 

Schwesterlein, Schwesterlein,

wohl ist es Zeit.

„Mein Liebster tanzt mit mir,

geh ich, tanzt er mit ihr,

Brüderlein, laß du mich heut.“

 

Schwesterlein, Schwesterlein,

was bist du blaß?

„Das macht der Morgenschein

auf meinen Wängelein,

Brüderlein, die vom Taue naß.“

 

Schwesterlein, Schwesterlein,

du wankest so matt?

„Suche die Kammertür,

suche mein Bettlein mir,

Brüderlein, es wird fein

unterm Rasen sein.“

 

 

ALL MEIN GEDANKEN

(aus „Deutsche Volkslieder“)

 

All mein Gedanken, die ich hab,

die sind bei dir,

du auserwählter einger Trost,

bleib stet bei mir.

Du, du, du sollt an mich gedenken,

hätt ich aller Wunsch Gewalt,

von dir wollt ich nicht wenken.

 

Du auserwählter einger Trost,

gedenk daran,

Leib und Gut das sollt du ganz

Zu eigen han.

Dein, dein, dein will ich beleiben,

du gibst mir Freud und hohen Mut

und kannst mir Leid vertreiben.

 

Die allerliebst und minniglich,

die ist so zart.

Ihres Gleich in allem Reich

Find’t man hart.

Bei dir, bei dir, ist kein Verlangen,

da ich von ihr scheiden sollt,

da hätt sie mich umfangen.

 

Die werte Rein, die ward sehr wein’n,

da das geschah;

du bist mein und ich bin dein,

sie traurig sprach.

Wann, wann, wann ich soll von dir weichen,

ich nie erkannt,noch nimmermehr

erkenn ich dein geleichen.

 

 

ES STEHT EIN LIND

(aus „Deutsche Volkslieder“)

 

Es steht ein Lind in jenem Tal,

ach, Gott, was tut sie da?

Sie will mir helfen trauren,

daß ich mein Lieb verloren hab.

 

Es sitzt ein Vöglein auf dem Zaun,

ach, Gott, was tut es da?

Es will mir helfen klagen,

daß ich mein Lieb verloren hab.

 

Es quillt ein Brünnlein auf dem Plan,

ach, Gott, was tut es da?

Es will mir helfen weinen,

daß ich mein Lieb verloren hab.

 

 

IN STILLER NACHT

(aus „Deutsche Volkslieder“)

 

In stiller Nacht, zur ersten Wacht,

ein Stimm begunnt zu klagen,

der nächtge Wind hat süß und lind

zu mir den Klang getragen;

von herbem Leid und Traurigkeit

ist mir das Herz zeflossen,

die Blümelein, mit Tränen rein

hab ich sie all begossen.

 

Der schöne Mon will untergon,

für Leid nicht mehr mag scheinen,

die Sterne lan ihr Glitzen stahn,

mit mir sie wollen weinen.

Kein Vogelsang noch Freudenklang

Man höret in den Lüften,

die wilden Tier traur’n auch mit mir

in Steinen und in Klüften.

 

 

 

MEIN MÄDEL HAT EINEN ROSENMUND

(aus „Deutsche Volkslieder“)

 

Mein Mädel hat einen Rosenmund,
 Und wer ihn küßt, der wird gesund;
 O du! o du! o du!
 O du schwarzbraunes Mägdelein,
 Du la la la la!
 Du läßt mir keine Ruh!
 
 Dein Augen sind wie die Nacht so schwarz, 
 Wenn nur zwei Sternlein funkeln drin;
 O du! o du! o du!
 O du schwarzbraunes Mägdelein,
 Du la la la la!
 Du läßt mir keine Ruh!
 
 Du Mädel bist wie der Himmel gut,
 Wenn er über uns blau sich wölben tut;
 O du! o du! o du!
 O du schwarzbraunes Mägdelein,
 Du la la la la!

 

 

ÜBER DIE HEIDE

(Theodor Storm)

 

Über die Heide hallet mein Schritt;

dumpf aus der Erde wandert es mit.

Herbst ist gekommen, Frühling ist weit,

gab es denn einmal selige Zeit?

Brauende Nebel geisten umher,

schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.

Wär ich nur hier nicht gegangen im Mai!

Leben und Liebe wie flog es vorbei!

 

 

WIEGENLIED

 

Guten Abend, gut Nacht,

mit Rosen bedacht,

mit Näglein besteckt

schlupf unter die Deck:

morgen früh, wenn Gott will,

wirst du wieder geweckt.

 

Guten Abend, gut Nacht,

von Englein bewacht,

die zeigen im Traum

dir Christkindleins Baum.

Schlaf nun selig und süß,

schau im Traum’s Paradies.

 

 

NICHT MEHR ZU DIR GEHEN

(G.F.Daumer. Aus der Moldau)

 

Nicht mehr dir zu gehen,

beschloß ich und beschwor ich,

und gehe jeden Abend,

denn jede Kraft und jeden Halt verlor ich.

 

Ich möchte nicht mehr leben,

möchte Augenblicks verderben,

und möchte doch auch leben

für dich, mit dir, und nimmer nimmer sterben.

 

Ach rede, sprich ein Wort nur,

ein einziges, ein klares;

gib Leben oder Tod mir,

nur dein Gefühl enthülle mir, dein wahres!

 

 

WIE BIST DU, MEINE KÖNIGIN

(G.F.Daumer, nach Hafis)

 

Wie bist, meine Königin,

durch sanfte Güte wonnevoll!

Du lächle nur Lenzdüfte wehn

Durch mein Gemüte wonnevoll!

 

Frisch aufgeblühter Rosen Glanz,

vergleich ich ihn dem deinigen?

Ach, über alles was da blüht,

ist deine Blüte, wonnevoll!

 

Durch tote Wüsten wandle hin,

und grüne Schatten breiten sich,

ob fürchterliche Schwüle dort

ohn Ende brüte, wonnevoll.

 

Laß mich vergehn in deinem Arm!

Es ist in ihm ja selbst der Tod,

ob auch die herbste Todesqual

die Brust durchwüte, wonnevoll!

 

 

WIE MELODIEN ZIEHT ES
(Klaus Groth)

 

Wie Melodien zieht es
 Mir leise durch den Sinn,
 Wie Frühlingsblumen blüht es,
 Und schwebt wie Duft dahin.
 
 Doch kommt das Wort und faßt es
 Und führt es vor das Aug',
 Wie Nebelgrau erblaßt es
 Und schwindet wie ein Hauch.
 
 Und dennoch ruht im Reime
 Verborgen wohl ein Duft,
 Den mild aus stillem Keime
 Ein feuchtes Auge ruft.

 

 

VERGEBLICHES STÄNDCHEN

(A.W. Florentin von Zuccalmaglio, from Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen)

 

Er:
 Guten Abend, mein Schatz,
 guten Abend, mein Kind!
 Ich komm' aus Lieb' zu dir,
 Ach, mach' mir auf die Tür,
 mach' mir auf die Tür!
 
Sie:
 Meine Tür ist verschlossen,
 Ich laß dich nicht ein;
 Mutter, die rät' mir klug,
 Wär'st du herein mit Fug,
 Wär's mit mir vorbei!
 
Er:
 So kalt ist die Nacht,
 so eisig der Wind,
 Daß mir das Herz erfriert,
 Mein' Lieb' erlöschen wird;
 Öffne mir, mein Kind!
 
Sie:
 Löschet dein' Lieb';
 lass' sie löschen nur!
 Löschet sie immerzu,
 Geh' heim zu Bett, zur Ruh'!
 Gute Nacht, mein Knab'!