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Nachtstück

(Johann Baptist Mayrhofer)

 

Wenn über Berge sich der Nebel breitet,
 Und Luna mit Gewölken kämpft,
 So nimmt der Alte seine Harfe, und schreitet,
 Und singt waldeinwärts und gedämpft:
 
 "Du heilge Nacht:
 Bald ist's vollbracht,
 Bald schlaf ich ihn, den langen Schlummer,
 Der mich erlöst von allem Kummer."
 
 Die grünen Bäume rauschen dann:
 "Schlaf süß, du guter, alter Mann;"
 Die Gräser lispeln wankend fort:
 "Wir decken seinen Ruheort;"
 
 Und mancher liebe Vogel ruft:
 "O laßt ihn ruhn in Rasengruft!"
 Der Alte horcht, der Alte schweigt,
 Der Tod hat sich zu ihm geneigt.
 

 

 

Non t’accostare all’urna

(Jacopo Vittorelli)

 

Non t'accostar all'urna,
 Che l'osse mio rinserra,
 Questa pietosa terra
 È sacra al mio dolor.
 
Odio gli affanni tuoi, 
 Ricuso i tuoi giacinti;
Non voglio I tuoi pianti;
 Che giovano agli estinti
 Due lagrime, due fior?
 
 Empia! Dovevi allora
 Porgermi un fil d'aita,
 Quando traéa la vita
 In grembo dei sospir.
 
 A che d'inutil pianto
 Assordi la foresta? 
 Rispetta un'ombra mesta,
 E lasciala dormir.
 
 

Nacht und Träume

(Matthäus Kasimir von Collin)

 

Heil'ge Nacht, du sinkest nieder;
 Nieder wallen auch die Träume
 Wie dein Mondlicht durch die Räume,
 Durch der Menschen stille Brust.
 Die belauschen sie mit Lust;
 Rufen, wenn der Tag erwacht:
 Kehre wieder, heil'ge Nacht!
 Holde Träume, kehret wieder!
 
 

Der Wanderer

(Georg Philipp Schmidt von Lübeck)

 

Ich komme vom Gebirge her,
Es dampft das Tal, es braust das Meer.
Ich wandle still, bin wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer, wo?
 
Die Sonne dünkt mich hier so kalt,
Die Blüte welk, das Leben alt,
Und was sie reden, leerer Schall;
Ich bin ein Fremdling überall.
 
Wo bist du, mein geliebtes Land?
Gesucht, geahnt, und nie gekannt!
Das Land, das Land so hoffnungsgrün,
Das Land, wo meine Rosen blühn.
 
Wo meine Freunde wandelnd gehn,
Wo meine Toten auferstehn,
Das Land, das meine Sprache spricht,
O Land, wo bist du? . . .
 
Ich wandle still, bin wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer, wo?
Im Geisterhauch tönt's mir zurück:
"Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück."
 

 

Der Wanderer an den Mond

(Johann Gabriel Seidl)

 

Auf Erden - ich, am Himmel - du
 Wir wandern beide rüstig zu:
 Ich ernst und trüb, du hell und rein,
 Was mag der Unterschied wohl sein?
 
 Ich wandre fremd von Land zu Land,
 So heimatlos, so unbekannt;
 Berg auf, Berg ab, Wald ein, Wald aus,
 Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus.
 
 Du aber wanderst auf und ab
 Aus Ostens Wieg' in Westens Grab,
 Wallst Länder ein und Länder aus,
 Und bist doch, wo du bist, zu Haus.
 
 Der Himmel, endlos ausgespannt,
 Ist dein geliebtes Heimatland;
 O glücklich, wer, wohin er geht,
 Doch auf der Heimat Boden steht!
 
An Silvia
(Shakespeare, german trans. E.von Bauernfeld)
 
Was ist Silvia, saget an,
 Daß sie die weite Flur preist?
 Schön und zart seh ich sie nahn,
 Auf Himmelsgunst und Spur weist,
 Daß ihr alles untertan.
 
 Ist sie schön und gut dazu?
 Reiz labt wie milde Kindheit;
 Ihrem Aug' eilt Amor zu,
 Dort heilt er seine Blindheit
 Und verweilt in süßer Ruh.
 
 Darum Silvia, tön, o Sang,
 Der holden Silvia Ehren;
 Jeden Reiz besiegt sie lang,
 Den Erde kann gewähren:
 Kränze ihr und Saitenklang!
 
 
Die Taubenpost
(Johann Gabriel Seidl)
 
Ich hab' eine Brieftaub' in meinem Sold,
 Die ist gar ergeben und treu,
 Sie nimmt mir nie das Ziel zu kurz
 Und fliegt auch nie vorbei.
 
 Ich sende sie viel tausendmal
 Auf Kundschaft täglich hinaus,
 Vorbei an manchem lieben Ort,
 Bis zu der Liebsten Haus.
 
 Dort schaut sie zum Fenster heimlich hinein,
 Belauscht ihren Blick und Schritt,
 Gibt meine Grüße scherzend ab
 Und nimmt die ihren mit.
 
 Kein Briefchen brauch ich zu schreiben mehr,
 Die Träne selbst geb ich ihr,
 Oh, sie verträgt sie sicher nicht,
 Gar eifrig dient sie mir.
 
 Bei Tag, bei Nacht, im Wachen, im Traum,
 Ihr gilt das alles gleich,
 Wenn sie nur wandern, wandern kann,
 Dann ist sie überreich!
 
 Sie wird nicht müd, sie wird nicht matt,
 Der Weg ist stets ihr neu;
 Sie braucht nicht Lockung, braucht nicht Lohn,
 Die Taub' ist so mir treu!
 
 Drum heg ich sie auch so treu an der Brust,
 Versichert des schönsten Gewinns;
 Sie heißt - die Sehnsucht! Kennt ihr sie? -
 Die Botin treuen Sinns.
 
 

Pensa che questo istante

(Pietro Metastasio)

 

Pensa che questo istante

Del tuo destin decide,

Ch’oggi rinasce Alcide

Per la futura età.

 

Pensa che adulto sei,

Che sei di Giove un figlio

Che merto e non consiglio

La scelta tua sarà.

 

 

L’incanto degli occhi

(Pietro Metastasio)

 

Da voi, cari lumi,
 Di pende il mio stato;
 Voi siete i miei Numi, 
 Voi siete il mio fato.
 
 A vostro talento
 Mi sento cangiar,
 
 Ardir m'inspirate,
 Seliete splendate;
 Se torbidi siete,
 Mi fate tremar.

 

 

Il traditor deluso

(Pietro Metastasio)

 

Recitative:
 Aimè, io tremo!
 Io sente tutto in ondarmi
 Il seno di gelido sudor!
 Fuga si, ah quale?
 Qual' è la via?
 Chi me l'addita?
 Oh Dio! che ascoltai?
 Che m'avvenne?
 Oh Dio! che ascoltai?
 Ove son io?
 
Aria:
 Ah l'aria d'intorno lampeggia, afavilla;
 Ondeggia, vacilla l'infido terren!
 Qual notte profonda
 D'orror mi eiroonda!
 Che larve funeste,
 Che smanie son queste!
 Che fiero spavento
  Mi sento nel sen!

 

 

Il modo di prender moglie

(Pietro Metastasio)

 

Or sù! non ei pensiamo,
 Corraggio e concludiamo,
 Al fin s'io prendo moglie,
 Sò ben perché lo fò.
 Lo fò per pagas i debiti,
 La prende per contanti,
 Di dirlo, e di repeterlo,
 Difficoltà non ho.
 Fra tanti modi e tanti
 Di prender moglie al mondo,
 Un modo più giocondo
 Del mio trovar non sò.
 Si prende per affetto,
 Si prende per rispetto,
 Si prende per consiglio,
 Si prende per puntiglio,
 Si prende per capriccio,
 È vero, si o nò?
 Ed io per medicina
 Di tutti i mali miei
 Un poco di sposina
 Prendere non potrò?
 Ho detto e'l ridico,
 Lo fò per li contanti,
 Lo fanno tanti e tanti
 Anch' io lo farò.

 

 

Mio ben ricordati

(Pietro Metastasio)

 

Mio ben ricordati,
 Se avvien, ch'io mora:
 Quanto quest' anima
 Fedel t'amò.
 
 E se pur amano
 Le fredde ceneri;
 Nell' urna ancora
 T'adorerò.