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Der Hidalgo

(Emanuel von Geibel)

 

Es ist so süß zu scherzen
 Mit Liedern und mit Herzen
 Und mit den ernsten Streit!
 Erglänzt des Mondes Schimmer,
 Da treibt's mich fort vom Zimmer,
 Durch Platz und Gassen weit;
 Da bin zur Lieb' ich immer
 Wie zum Gefecht bereit.
 
 Die Schönen von Sevilla
 Mit Fächern und Mantilla
 Blicken den Strom entlang;
 Sie lauschen mit Gefallen,
 Wenn meine Lieder schallen
 Zum Mandolinenklang.
 Und dunkle Rosen fallen
 Mir vom Balkon zum Dank.
 
 Ich trage, wenn ich singe,
 Die Zither und die Klinge
 Vom Toledan'schen Stahl.
 Ich sing an manchem Gitter 
 Und höhne manchen Ritter
 Mit keckem Lied zumal,
 Den Damen gilt die Zither,
 Die Klinge dem Rival.
 
 Auf denn zum Abenteuer,
 Schon losch der Sonne Feuer
 Jenseits der Berge aus.
 Der Mondnacht Dämmrungsstunden,
 Sie bringen Liebeskunden,
 Sie bringen blut'gen Strauß,
 Und Blumen oder Wunden
 Trag morgen ich nach Haus.
 
 
In der Nacht
(Emanuel von Geibel)
 
Alle gingen, Herz, zur Ruh,
 alle schlafen, nur nicht du.
 Denn der hoffnungslose Kummer
 scheucht von deinem Bett den Schlummer,
 und dein Sinnen schweift in stummer Sorge
 seiner Liebe zu seiner Liebe zu.
 
 
Tanzlied
(Friedrich Rückert)
 
Eia, wie flattert der Kranz,
 Trauter, komm mit mir zum Tanz!
 Wollen uns schwingen,
 rasch uns erspringen
 mitten im wonnigen Glanz.
 
 Weh, weh, wie pocht mir das Herz,
 sage, was soll mir der Scherz?
 Laß dich umschließen,
 laß mich zerfließen,
 ruhend im seligen Schmerz.
 
 Eia, der Walzer erklingt,
 Pärchen an Pärchen sich schwingt,
 Mädchen und Bübchen,
 Schelmchen und Liebchen!
 Frisch, wo's am dichtesten springt!
 
 Wehe! mir sinket der Arm
 mitten im jauchzenden Schwarm.
 Wie sie sich fassen,
 muß ich erblassen,
 möchte vergehen im Harm.
 
 Eia, wie flattert der Kranz,
 heute für alle im Tanz,
 flatterig heute,
 morgen gescheute,
 morgen, o Trauter, dein ganz!
 
Tragödie I
(Heinrich Heine)
 
Entflieh mit mir und sei mein Weib,
 Und ruh' an meinem Herzen aus;
 In weiter Ferne sei mein Herz
 Dein Vaterland und Vaterhaus.
 
 Entfliehn wir nicht, so sterb' ich hier
 Und du bist einsam und allein;
 Und bleibst du auch im Vaterhaus,
 Wirst doch wie in der Fremde sein.
 
Tragödie II
(Heinrich Heine)
 
Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht,    
Es fiel auf die zarten Blaublümelein:
Sie sind verwelket, verdorrt.
 
Ein Jüngling hatte ein Mädchen lieb;   
sie flohen heimlich von Hause fort,
es wußt' weder Vater noch Mutter.
 
Sie sind gewandert hin und her,
sie haben gehabt weder Glück noch Stern,
sie sind gestorben, verdorben.
 
 
Tragödie III
(Heinrich Heine)
 
Auf ihrem Grab da steht eine Linde,
 Drin pfeifen die Vögel im Abendwinde,
 Und drunter sitzt auf dem grünen Platz,
 Der Müllersknecht mit seinem Schatz.
 
 Die Winde wehen so lind und so schaurig,
 Die Vögel singen so süß und so traurig:
 Die schwatzenden Buhlen, sie werden stumm,
 Sie weinen und wissen selbst nicht warum.
 
Wiegenlied am Lager eines kranken Kindes
(Friedrich Hebbel)
 
 Schlaf, Kindlein, schlaf!
 Wie du schläfst, so bist du brav.
 Draußen rot im Mittagsscheine
 Glüht der schönsten Kirschen eine.
 Wenn du aufwachst, gehen wir,
 Und mein Finger pflückt sie dir.
 Schlaf, Kindlein, schlaf!
 Wie du schläfst, so bist du brav.
 
 Schlaf, Kindlein, schlaf!
 Wie du schläfst, so bist du brav.
 Immer süßer kocht die Sonne
 Deine Kirsche, dir zur Wonne;
 Schlaf denn, Kindlein, leicht bedeckt,
 Bis der Durst nach ihr dich weckt.
 Schlaf, Kindlein, schlaf!
 Wie du schläfst, so bist du brav.
 

Die feindlichen Brüder

(Heinrich Heine)

 

Oben auf der Bergesspitze

Liegt das Schloß in Nacht gehüllt,

Doch im Tale leuchten Blitze,

Helle Schwerter klirren wild.

          

Das sind Brüder, die dort fechten

Grimmen Zweikampf, wutentbrannt.

Sprich, warum die Brüder rechten

Mit dem Schwerte in der Hand?

          

Gräfin Lauras Augenfunken

Zündeten den Brüderstreit.

Beide glühen liebestrunken

Für die adlig holde Maid.

          

Welchem aber von den beiden

Wendet sich ihr Herze zu?

Kein Ergrübeln kann's entscheiden -

Schwert heraus, entscheide du!

          

Und sie fechten kühn verwegen,

Hieb' auf Hiebe niederkracht's.

Hütet euch, ihr wilden Degen,

Böses Blendwerk schleicht des Nachts.

           

Wehe! Wehe! blut'ge Brüder!

Wehe! Wehe! blut'ges Tal!

Beide Kämpfer stürzen nieder,

Einer in des andern Stahl. -

            

Viel Jahrhunderte verwehen,

Viel Geschlechter deckt das Grab;

Traurig von des Berges Höhen

Schaut das öde Schloß herab.

             

Aber nachts, im Talesgrunde,

Wandelt's heimlich, wunderbar;

Wenn da kommt die zwölfte Stunde,

Kämpfet dort das Brüderpaar.

 

 

Belsazar

(Heinrich Heine)

 

Die Mitternacht zog näher schon;

In stiller Ruh' lag Babylon.

   

Nur oben in des Königs Schloß,

Da flackert's, da lärmt des Königs Troß.

   

Dort oben in dem Königssaal

Belsazar hielt sein Königsmahl.

   

Die Knechte saßen in schimmernden Reihn,

Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.

 

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht';

So klang es dem störrigen Könige recht.

   

Des Königs Wangen leuchten Glut;

Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.

 

Und blindlings reißt der Mut ihn fort;

Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.

    

Und er brüstet sich frech, und lästert wild;

Die Knechtenschar ihm Beifall brüllt.

    

Der König rief mit stolzem Blick;

Der Diener eilt und kehrt zurück.

    

Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;

Das war aus dem Tempel Jehovas geraubt.

    

Und der König ergriff mit frevler Hand

Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.

 

 

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund,

Und rufet laut mit schäumendem Mund:

    

»Jehova! dir künd ich auf ewig Hohn -

Ich bin der König von Babylon!«

    

Doch kaum das grause Wort verklang,

Dem König ward's heimlich im Busen bang.

    

Das gellende Lachen verstummte zumal;

Es wurde leichenstill im Saal.

 

Und sieh! und sieh! an weißer Wand

Da kam's hervor wie Menschenhand;

    

Und schrieb, und schrieb an weißer

Wand Buchstaben von Feuer, und schrieb und

                                                       [schwand.

 

Der König stieren Blicks da saß,

Mit schlotternden Knien und totenblaß.

    

Die Knechtenschar saß kalt durchgraut,

Und saß gar still, gab keinen Laut.

 

Die Magier kamen, doch keiner verstand    

Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

    

Belsazar ward aber in selbiger Nacht

Von seinen Knechten umgebracht.

 

 

Stille Tränen

(Justinus Kerner)

 

Du bist vom Schlaf erstanden,

Und wandelst durch die Au.

Da liegt ob allen Landen

Der Himmel wunderblau.

 

So lang du ohne Sorgen

Geschlummert schmerzenlos,

Der Himmel bis zum Morgen

Viel Tränen niedergoß.

 

In stillen Nächten weinet

Oft mancher aus den Schmerz,

Und morgens dann ihr meinet,

Stets fröhlich sei sein Herz.

 

 

Requiem

(from a latin text)

 

Ruh’ von schmerzensreichen Mühen aus

und heißem Liebesgluhen!

Der nach seligem Verein

trug Verlangen,

ist gegangen

zu des Heilands Wohnung ein.

 

Dem Gerechten leuchten helle

Sterne in des Grabes Zelle,

ihm der selbst als Stern der Nacht

wird erscheinen,

wenne er seinen

Herrn erschaut in Himmelspracht.

 

Seid Fürsprecher, heil’ge Seelen!

Heil’ger Geist, laß Trost nicht fehlen.

Hörst du? Jubelsang erklingt,

Feiertöne,

darein die schöne

Engelsharfe singt.

 

 

Er ist’s

(Eduard Mörike)

 

Frühling lässt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte;

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen.

Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist’s!

Dich hab’ich vernommen!

 

 

Meine Rose

(Nikolaus Lenau)

 

Dem holden Lenzgeschmeide,

Der Rose, meiner Freude,

Die schon gebeugt und blasser

Vom heißen Strahl der Sonnen,

Reich’ich den Becher Wasser

Aus tiefem Bronnen.

 

Du Rose meines Herzens!

Vom stillen Strahl des Schmerzens

Bist du gebeugt und basser;

Ich möchte dir zu Füßen,

Wie dieser Blume Wasser,

Still meine Seele gießen!

Könnt’ich dann auch nicht sehen

Dich freudig auferstehen.